Mit gerade einmal 24 Jahren übernimmt Amir Kentric das Traditionslokal «Schützenmatt» in Inwil – und ist damit der zurzeit jüngste Gastronom der Region. Zwischen Stammtisch, Tatar-Abend und sanfter Renovation erzählt er von Familienbanden, grossen Ambitionen und seiner Liebe zur ehrlichen Schweizer Küche.
Text: Ronnie Hürlimann
Restaurant «Schützenmatt» in Inwil
Wenn andere Kinder im Sandkasten spielten, stapfte Amir Kentric durch Restaurantküchen. Kein Wunder – sein Vater war Koch, seine Eltern führen das «Sternegg» in Luzern. «Ich war von klein auf in Restaurants. Für mich war klar: Ich werde auch mal meinen eigenen Betrieb haben», erzählt Amir im Gespräch. Die Lehre absolvierte er im traditionsreichen Waldstätterhof, danach sammelte er Erfahrung bei den Eltern – bis der Wunsch nach Eigenständigkeit lauter wurde.
Ein Traditionslokal für einen jungen Chef
Seit diesen Februar führt Amir das «Schützenmatt» in Inwil – ein Restaurant mit 200 Plätzen und stolzer 30-jähriger Geschichte. «Als ich zum ersten Mal hier war, habe ich mich sofort wohlgefühlt», erinnert er sich. Und obwohl die Grösse und der Ruf des Hauses Respekt einflössen, zögerte er nicht. «Es ging alles sehr schnell – von der Besichtigung bis zur Übernahme.» Das bewährte Konzept mit Schweizer Küche wurde übernommen, kleinere Änderungen wie ein Umbau im Sommer sorgen für frischen Wind.

Führung mit Fingerspitzengefühl
Ganz ohne elterliche Unterstützung geht’s natürlich nicht – zumindest emotional: «Ich kann sie jederzeit anrufen, wenn ich Tipps brauche», sagt Amir. Die Selbstständigkeit war aber seine Entscheidung, auch wenn seine Eltern sich gewünscht hätten, er bliebe noch eine Weile im Familienbetrieb. «Sie sind stolz auf mich. Mein Bruder ist auch selbstständig – jetzt sind wir’s alle in der Familie.»
Als junger Chef eines eingespielten Teams – viele seiner Mitarbeitenden sind älter – setzt Amir auf eine Balance zwischen Respekt und Offenheit: «Ich bin niemand, der von oben herab alles vorgibt. Aber wenn ich Ideen habe, wie man Abläufe optimieren kann, hören sie zu – das ist ein schönes Gefühl.» Die Büroarbeit hingegen hat ihn überrascht: «Am Anfang war das ein Schock. Lieferscheine, Vertreterbesuche, Hygienekontrollen – das habe ich unterschätzt.» Inzwischen hat er ein System entwickelt, das für ihn funktioniert.
Zwischen Tatar-Karte und Entrecôte mit Kräuterkruste
Amir ist keiner, der mit Schäumchen und Pipetten hantiert. «Ich will eine ehrliche, gutbürgerliche Küche anbieten.» Zu seinen Highlights gehört das Entrecôte mit knuspriger Kräuterkruste – «das gibt’s so nicht überall» – sowie der wöchentliche Tatar-Abend, bei dem die Gäste ihre Wunschzutaten auf einer Karte ankreuzen. Weitere Themenabende sind geplant, etwa ein Burger-Special.
Privat schlägt Amirs Herz für den Fussball – drei Jahre lang war er Trainer. Wegen des Restaurants musste er aufhören, doch die Leidenschaft bleibt. Auch in der Liebe läuft’s: Seit Dezember ist er verlobt, seine Partnerin arbeitet in der Pflege. «Unsere Arbeitszeiten passen erstaunlich gut zusammen – beide mit Zimmerstunden und Wochenenddiensten.»
Zwischen Dorfleben und Gastro-Ambitionen
Dass Amir in Inwil gut angekommen ist, zeigt sich nicht nur an den vollen Mittagstischen. «Ich sponsore das lokale Theater, mein Vermieter ist gut vernetzt – das hilft enorm. Viele Gäste aus dem Dorf feiern bei uns ihre Geburtstage.» Der Kontakt zu den Vereinen liegt ihm am Herzen. Und obwohl er das «Schützenmatt» mit Herzblut führt, ist Amir überzeugt: «Das ist nicht das Ende – ich werde sicher weitere Betriebe übernehmen.»
Was ihn stört? Die zunehmende Bequemlichkeit vieler Gäste: «Immer mehr bestellen nach Hause – sogar Pizza-Kuriere flitzen an Restaurants vorbei. Dabei ist gemeinsames Essen doch so wertvoll.» Genau dieses Gefühl möchte Amir im «Schützenmatt» wieder aufleben lassen: Handys weg, miteinander lachen, gutes Essen geniessen.

Ein Gastronom mit Zukunft
Mit 24 Jahren ist Amir Kentric nicht nur der jüngste Gastronom der Region – er ist auch einer der reflektiertesten. Bodenständig, organisiert und mit einem feinen Gespür für Menschen und Qualität. Vielleicht wird er einmal einer der Gastro-Könige in der Region. Das Zeug dazu hat er.











